Santeria


Santeria (la Regla de Ocha, la Regla Lucumi) ist eine Religion, die in Kuba ausgeübt wird.
Die aus West-Afrika verschleppten Sklaven (hauptsächlich Yoruba aus dem heutigen Nigeria) brachten ihren Glauben mit in die neue Welt und versteckten ihre Orisha unter dem Deckmantel des katholischen Heiligenglauben. So konnte die Religion bis heute überleben.

In der Santeria glauben wir an eine höchste geistige Macht, die wir Olodumare nennen. Dies ist die Quelle von Ashé (spirituelle Kraft), der Schöpferkraft.
Zwischen Olodumare und den Menschen vermitteln die Orishas, welche auch über die Natur- und Elementarkräfte gebieten.
Der Kontakt zu den Orishas wird mit Hilfe von Ritualen, Gebeten, Orakel und Opfergaben hergestellt. So gerufen, helfen sie uns dabei, Probleme zu lösen und weiter auf unserem spirituellen Weg voran zu kommen.

Bei der Santeria gibt es verschiedene Initiationsstufen, die der einzelne durchlaufen kann.
Zu Beginn steht meistens die Suche nach einem Padrino (Priester/Santero), oder einer Madrina (Priesterin/Santera), die einem Ile (Haus/Tempel) angehört. Hat man dann die entsprechende Person gefunden, kann man in die Religion aufgenommen werden (das entspricht in etwa der Initiation in einen Hexenzirkel/Coven). Man erhält dann die Ilekes (Collares). Das sind meistens fünf Glasperlenketten in den Farben von fünf Orisha (Eleggua, Oshun, Yemaya, Chango, Obatala), die diesen auch geweiht worden sind. Wichtig ist natürlich auch, daß zwischen dem Neuling (Aleyo) und dem Padrino / der Madrina ein Vertrauensverhältnis entstehen kann, d.h. man sollte sich schon sympathisch sein, immerhin ist der Padrino / die Madrina auch verantwortlich für das spirituelle Wohl und Vorwärtskommen des Neulings. Ob jemand die Ilekes erhält oder nicht, hängt nicht nur von der Madrina / dem Padrino ab, sondern auch davon, ob die Orisha es für nötig erachten, d.h. bevor überhaupt jemand in diese Religion eingeweiht wird, muß das Orakel befragt werden.

Wenn es der spirituelle Weg des Neulings erfordert (Orakelspruch der Orisha) erhält er als nächstes die Krieger (Guerreros). Diese können ihm entweder von einem Santero oder von einem Babalawo (Hoherpriester) überreicht werden. Die Guerreros sind vier Orishas (Eleggua, Ogun, Ochosi und Ossun), die den Neuling auf seinem spirituellen Weg schützen und ihm dabei helfen sollen, Hindernisse auf seinem Weg zu bewältigen.
Von einem Aleyo, der die Ilekes und die Guerreros besitzt sagt man auch, er wäre "Medio Assiento", d.h. er hat bereits den halben Weg zurückgelegt und ist bereit, für die PriesterInnenweihe (Ocha/Santo). Natürlich nur dann, wenn die Orisha es für nötig erachten (Orakel).

Spätestens jetzt ist es erforderlich, daß der "Kopf-Orisha" (der Schutz-Orisha, der den Kopf "regiert" - der Orisha "Elternteil", der dominiert) des Neulings bestimmt wird. Hierzu ist eine Befragung des Ifa-Orakels notwendig. Der Orisha des Ifa-Orakels ist Orunmila (Orunla). Er kennt den Weg eines jeden Menschen. Eines der Rituale, in dem der "Kopforisha" bestimmt wird, nennt sich "Mano de Orunla" (Hand von Orunla), wobei zwischen der Bezeichnung für Frauen (Ikofa) und Männer (Awofaka) unterschieden wird. Das Ritual dauert drei Tage, während der auch eine Orakelbefragung bezüglich des weiteren spirituellen Weges des Neulings durchgeführt wird (Ita). Zum Zeichen, daß man das Ritual durchlaufen hat, erhält man die "Mano de Orunla" (in einem Gefäß), die Ileke und das Ide (Armband) in den Farben Orunlas (gelb/grün). Ebenfalls erhält man ein Set der Guerreros, die dann von einem Babalawo hergestellt wurden.

Nun zur PriesterInnenweihe: Die Gesamtdauer der Zeremonie beträgt sieben Tage. Während dieser Zeit darf die/der Iyawo (Braut der Orisha = neugeboreneR PriesterIn) den Ritualraum nicht verlassen und schläft dort auf einer Matte am Boden.
Am ersten Tag wird man zum Fluß gebracht, damit Oshun Olodumare ankündigen kann, daß eine neue Priesterin / ein neuer Priester geboren wird.
Später findet dann die "Geburt" statt, für deren Vorbereitung die neue Priesterin / der neue Priester kahlgeschoren, gewaschen und in neue weiße Klamotten gekleidet wird. Im Verlauf dieser Zeremonie werden die Orishas in den Kopf der Priesterin / des Priesters "gebracht".
Am dritten Tag findet eine Orakelbefragung statt, die sich auf das neue Leben als Priesterin / Priester bezieht und in dem auch die lebenslangen Tabus mitgeteilt werden können, an die sich die neue Priesterin / der neue Priester zu halten hat.
Am siebten Tag wird die neugeborene Priesterin / Priester zum Marktplatz geführt und dort quasi "vorgestellt". Danach darf sie/er sich wieder frei draußen bewegen, mit gewissen Einschränkungen. So darf eine/ein Iyawo in den ersten drei Monaten nach Einbruch der Dunkelheit das Haus nur in Begleitung der Madrina/ des Padrinos (oder der/des Ayugbonas) verlassen. Auch andere Tabus müssen während des Iyawojahrs beachtet werden: So darf eine/ein Iyawo während der ersten drei Monate die Kopfbedeckung auch im Haus nicht abnehmen, nicht in den Spiegel schauen und nimmt die Mahlzeiten mit einem Löffel auf einer Matte am Boden sitzend ein.
Während des restlichen Jahres (und natürlich auch in den ersten drei Monaten) muß eine/ein Iyawo nur reines Weiß tragen, darf keine anderen Menschen berühren, darf nicht ohne Kopfbedeckung aus dem Haus gehen, darf sich nicht berauschen, darf nicht tanzen, muß Menschenansammlungen und Massenveranstaltungen meiden, muß hitzige Diskussionen und Streit vermeiden u.v.m.
Diese Tabus sollen dem Schutz der/des Iyawos dienen und auch dazu beitragen, daß sich Iyawo und Orisha besser aufeinander einstimmen können (ohne störende Einflüsse), denn das erste Jahr ist der Beginn einer Beziehung die ein Leben lang (und darüber hinaus) bestehen wird und so, wie man die Orisha behandelt und ehrt, so werden sie einen selber behandeln.



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